Bernadette Kowolik in Uganda: wir müssen bei Bildung und Aufklärung ansetzen

von Milena Rampoldi, ProMosaik. Anbei mein Interview mit Bernadette Kowolik von Hoffnung Spenden e.V. über ihr Engagement in Uganda. Kinder und Frauen werden durch Bildung und Aufklärung unterstützt. Straßenkinder erhalten Bildung und werden gestärkt. Ich möchte mich herzlichst bei Frua Kowolik für Ihre Zeit bedanken.
 
Milena Rampoldi: Wie fanden Sie Ihren Weg nach Uganda?
 
Bernadette Kowolik: Schon als kleines Kind träumte ich davon, Erzieherin zu werden und ein Kinderheim zu gründen. Ich habe es immer als großes Glück gesehen, eine solch liebevolle Familie zu haben. So beschloss ich nach meiner Ausbildung zur Erzieherin und ein paar Jahren Berufserfahrung das Abenteuer Afrika zu wagen. Dank Google führte mich mein Weg nach Uganda, da ich so das erste Angebot für ein Praktikum in Afrika fand. 2005 landete ich in Uganda und fühlte mich sofort angekommen, merkte, dass es mein Weg ist und hatte so keine Schwierigkeiten mich zurecht zu finden.
Schnell merkte ich, dass ich helfen will, irgend etwas tun muss. Ich dachte, ich wäre gut vorbereitet, aber die Armut und das Leid, vor allem das der Straßenkinder schockierte mich sehr. So beschloss ich schon auf dem Rückflug aktiv zu werden. Schnell war die nächste Reise gebucht, wieder in Uganda lernte ich eine Gruppe Straßenkinder kennen, mietete ein Haus und zog dort mit ihnen ein. Anfangs finanzierte ich alles privat, bis ich in Deutschland anfing, Sponsoren zu suchen und einen Verein zu gründen. In der Zeit gab es natürlich viele Schwierigkeiten, finanziell, psychisch und auch physisch. Ich erlebte mehrere Überfälle und erlebte, wie Kinder durch Gewalt und Hunger starben.
Aber dennoch bin ich der Meinung, dass es nicht schwer ist zu helfen. Mann muss nur anfangen, es wagen, den ersten Schritt zu tun, und so ist jeder in der Lage, die Welt ein kleines bisschen zum Besseren zu verändern.

 
MR: Welche Hauptziele verfolgt Ihr Verein?
 
BK: Hoffnung Spenden e.V. will vor allem Hilfe zur Selbsthilfe und im Bereich der Bildung helfen. Bildung ist der Schlüssel! Der Schlüssel zu einem besseren Leben, zu Arbeit, mehr Gesundheit und zur Weiterentwicklung des Landes und der Menschen.
Somit fördern wir Erwachsene durch Englischkurse, Gesundheitskurse und Aufklärungsarbeit. Wir helfen bei der Eröffnung einesBuissness und der Findung von Arbeitsplätzen.
Bei den Kindern setzen wir vor allem im Bereich der Bildung an. Wir zahlen die Schulgebühren, geben Nachhilfe und ermöglichenihnen eine Schullaufbahn mit anschließender Ausbildung. Den Straßenkindern geben wir zusätzlich ein liebevolles Heim, in dem sie einfach Kind sein dürfen und mit Hilfe von verschiedenen pädagogischen Angeboten die vielen traumatischen Erlebnisse aufarbeiten können.

 
MR: Welche sozialen Hauptprobleme haben Mädchen und Frauen in Uganda?
 
BK: Während in den Dörfern noch ein sehr konservatives soziales Bild der Frauen und Mädchen besteht, findet in den Städten langsam ein Wandel statt. Hier haben die Frauen einen größeren und besseren Zugang zur Bildung und können auch schon in höheren Positionen arbeiten. Allerdings ist dies noch die Minderheit.
In den Dörfern ist die Rolle der Frau als Mutter, Hausfrau und für die Arbeiten auf dem Feld und bei dem Vieh definiert. Sie ist dem Mann untergeordnet.
Ein weiteres Kriterium für die Rolle der Frau in der Familie spielt die Religion und deren Intensität.

 
MR: Wie wichtig ist die Sensibilisierung in Deutschland?
 
BK: Ich finde es sehr wichtig, auch hier in Deutschland aktiv zu sein. Von unserer Arbeit zu berichten und die Menschen sensibel für das Leben anderer zu machen. Es ist wichtig, dass wir den Menschen mit offenen Ohren und mit offenem Herzen gegenübertreten. Sie als individuelle Personen wahrnehmen, unabhängig von Alter, Geschlecht, Religion oder Herkunft. Jeder Mensch sollte das gleiche Recht bekommen, das Recht zu zeigen, wer er ist, bevor wir uns unsere Meinung bilden. Viele haben eine vorgefertigte Meinung und nach dieser entscheiden sie, ob es den Aufwand wert ist, einen Menschen kennenzulernen. Und dadurch vergeben sie sich selbst die Chance auf wundervolle Begegnungen. Wenn ich die „dreckigen Straßenkinder“ nur als solche gesehen und ihnen nicht die Hand gereicht hätte, wieviel leerer wäre mein Leben!
Aus diesem Grunde halte ich hier in Deutschland viele Vorträge, mache Workshops in Kitas und Schulen. Wir vermitteln auch Praktikanten nach Uganda, so dass viele Menschen die Chance haben weitere Erfahrungen zu sammeln.

 
MR: Welche sind für Sie die wichtigsten Strategien im Bereich der Entwicklungshilfe?
 
BK: In der Entwicklungshilfe ist es aus meiner Sicht am Wichtigsten bei der Bildung und Aufklärung anzusetzen. Bildung gibt den Menschen die Chance auf eine Gegenwart und Zukunft. Bildung klärt auf und kann Krieg und Missgunst verhindern. Bildung erweitert das Wissen zum alltäglichen Leben, um so zum Beispiel durch einfaches hygienisches Wissen Krankheiten zu vermeiden. Bildung ermöglicht den Weg in die Arbeit und in ein freies, selbstständiges Leben.
 
MR: Wie fördert die Entwicklungshilfe den interkulturellen und interreligiösen Dialog in Deutschland und im Ausland?
 
BK: Auch hier bin ich der Meinung, dass Bildung und Aufklärung am Wichtigsten sind. Nur durch das Weitergeben von Wissen und Informationen kann man den Menschen die Angst vor dem Unbekannten nehmen. Und Angst, sowie Unwissenheit ist der Beste Nährboden für Hass und Gewalt. Wenn wir etwas kennen, können wir uns eine Meinung bilden, und diese sollten auch alle respektieren egal ob die Meinung positiv oder negativ ausfällt.
Die Entwicklungshilfe sollte hier auch zum Dialog aufrufen, Workshops, Praktikas und interkulturelle Begegnungen fördern.